ABS 48: Ausbaustrecke München–Lindau–Grenze D/A

Umweltverträglichkeit des Vorhabens, Naturschutz und Eingriffsregelung

Zur Prüfung der Umweltverträglichkeit im Planfeststellungsverfahren wurde für die geplante Elektrifizierungsmaßnahme ein Landschaftspflegerischer Begleitplan mit integrierten Unterlagen über die Umweltverträglichkeit (UVS) erstellt. Die Untersuchung dient somit der Ermittlung der Auswirkungen der Baumaßnahme auf die Schutzgüter nach § 2 UVPG.

Bei den sogenannten Schutzgütern handelt es sich um:

  • Menschen, insbesondere menschliche Gesundheit
  • Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt
  • Fläche, Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft
  • Kulturelles Erbe und sonstige Sachgüter
  • Wechselwirkungen zwischen den Schutzgütern

Als Untersuchungsraum wurde für die UVS ein bis zu 500 m breiter Korridor beiderseits der vorhandenen Bahntrasse in den 20 Planfeststellungsabschnitten abgegrenzt.  Die Behörden wurden über den vorgesehenen Untersuchungsraum und Untersuchungsrahmen bezogen auf die Schutzgüter unterrichtet und diese Bearbeitungsumfänge wurden mit den Behörden abgestimmt, ebenso die Kombination von UVS und LBP.

Am Anfang stand die umfassende Bestandserhebung und Bewertung der Schutzgüter. Es wurde ermittelt, wo sich entlang der Ausbaustrecke{p}Mit Ausbaustrecke (ABS) werden bereits existierende Eisenbahnstrecken bezeichnet, die durch umfangreiche Baumaßnahmen für höhere Geschwindigkeiten sowie höhere Kapazitäten ertüchtigt werden.{/p} besonders schützenswerte und empfindliche Bereiche befinden. Entsprechend wurde abschnittsbezogen eine Anbauseite für die Masten vorgeschlagen (insbesondere in den eingleisigen Streckenabschnitten). Diese wurde später als Grundlage für die Planung der neuen Oberleitungsanlage verwendet (soweit nicht technische Zwangspunkte entgegenstanden).

Artenschutz und Schutz der FFH-Gebiete (=Fauna-Flora-Habitate) entlang der Strecke wurden besonders beachtet und im Rahmen eigener Planunterlagen abgearbeitet. Die hier geringe Betroffenheit der FFH-Gebiete konnte mit einigen Vermeidungsmaßnahmen abgewendet werden. Für den Artenschutz wurden umfangreiche Vorabmaßnahmen, sogenannte CEF-Maßnahmen (Continuous ecological Function) notwendig. Z.B. wurden in vielen Bereichen Zauneidechsen temporär oder dauerhaft umgesiedelt, Kiebitzinseln in Äckern angelegt, Waldrandstreifen freigeschnitten für den Gelbringfalter, Vogel- und Fledermauskästen aufgehängt und Pflanzungen für Haselmaus und Biber angelegt.

Nicht alle Eingriffe waren vermeidbar. Bei den Baumaßnahmen des Projekts handelt es sich naturschutzrechtlich um Eingriffe in Natur und Landschaft. Diese Eingriffe sind nach Möglichkeit zu vermeiden, zu mindern oder durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auszugleichen oder zu ersetzen.

Die Eingriffe wurden im Landschaftspflegerischen Begleitplan (LBP) ermittelt und nach Kompensationsverordnung dimensioniert. Ebenfalls im LBP wurden die Maßnahmen entsprechend der oben genannten 4 Maßnahmentypen festgelegt.

Die Eingriffe und die Maßnahmen wurden gemäß Kompensationsverordnung tabellarisch aufgelistet und bilanziert. Die Eingriffe sind dann als ausgeglichen anzusehen, wenn die beeinträchtigten Funktionen des Naturhaushalts wiederhergestellt sind und das Landschaftsbild landschaftsgerecht neu gestaltet ist.

Da im Rahmen der verfahrensbegleitenden Beteiligung der Behörden und der Öffentlichkeit sowohl die Träger öffentlicher Belange als auch die betroffenen Privaten angehört wurden, ergaben sich im Verfahren einzelfallweise Änderungen der Planung und auch der Maßnahmen. Der örtliche und übergreifende Sachverstand wurde also umfassend in die Planung einbezogen.

Die beiden Maßnahmentypen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen werden - wie in den Planfeststellungsbeschlüssen festgelegt - aktuell nach Beendigung der Baumaßnahme neu angelegt. Ziele sind hierbei die Wiederherstellung der verloren gegangenen bzw. beeinträchtigten Funktionen des Naturhaushalts und die Wiederherstellung / Neugestaltung des Landschaftsbildes.

Ein Teil dieser Maßnahmen wird durchgeführt auf Flächen, die bereits während der Baumaßnahme als Baustelleneinrichtungsflächen dienten. So konnten weitere und zusätzliche Belastungen der Grundstückseigentümer, meist Landwirte, vermieden werden.

Die Arbeiten werden ab Sommer 2021 durchgeführt und 2022 größtenteils abgeschlossen sein.

Sowohl die Ausführung dieser Arbeiten als auch die Einhaltung der festgelegten Schutz- und Vermeidungsmaßnahmen während der Bauphase wurde/wird durch die Ökologische Bauüberwachung, durch 2 renommierte Landschaftsplanungsbüros überwacht.

Nach Beendigung der in der Regel 3-jährigen Fertigstellungs- und Entwicklungspflege wird eine Nachbilanzierung durchgeführt. Die tatsächlichen Eingriffe durch die Baumaßnahme fließen hier ebenso mit ein wie die ggf. durch besondere Umstände geänderten Maßnahmen inkl. der tatsächlich erworbenen Flächen.

Sollten sich hier Defizite ergeben, müssen weitere Flächen angelegt oder Ökopunkte aus lokalen Ökokonten erworben werden. Es wird allerdings erwartet, dass die positive Bilanz der Gesamtmaßnahme etwas höher ausfällt als planfestgestellt.