ABS 48: Ausbaustrecke München–Lindau–Grenze D/A

Fragen und Antworten zum Thema Schienenlärm

weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch hier.

Welche Grenzwerte gelten und wann müssen aktive und passive Lärmschutzmaßnahmen ergriffen werden?

Maßgeblich hierfür ist die 16. Bundes-Immissionsschutzverordnung (16. BImSchV). Nach dieser Verordnung des Bundes gilt: Wird ein Verkehrsweg durch einen erheblichen baulichen Eingriff geändert und erhöht sich dadurch der Beurteilungspegel des von dem Verkehrsweg ausgehenden Verkehrslärms um mindestens 3 Dezibel (A) oder auf mindestens 70 Dezibel (A) am Tage oder mindestens 60 Dezibel (A) in der Nacht, sind Schutzmaßnahmen erforderlich.

Bei Anwendung der 16.BImSchV sind dann die Grenzwerte nach §2 der 16. BImSchV – grundsätzlich mit entsprechenden Schutzmaßnahmen - verbindlich einzuhalten:

(1) Zum Schutz der Nachbarschaft vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Verkehrsgeräusche ist bei dem Bau oder der wesentlichen Änderung sicherzustellen, dass der Beurteilungspegel einen der folgenden Immissionsgrenzwerte nicht überschreitet:

Tag Nacht
1. an Krankenhäusern, Schulen,
Kurheimen und Altenheimen
57 Dezibel (A) 47 Dezibel (A)
2. in reinen und allgemeinen
Wohngebieten und
Kleinsiedlungsgebieten
59 Dezibel (A) 49 Dezibel (A)
3. in Kerngebieten, Dorfgebieten
und Mischgebieten
64 Dezibel (A) 54 Dezibel (A)
4. in Gewerbegebieten 69 Dezibel (A) 59 Dezibel (A)

(2) Die Art der in Absatz 1 bezeichneten Anlagen und Gebiete ergibt sich aus den Festsetzungen in den Bebauungsplänen. Sonstige in Bebauungsplänen festgesetzte Flächen für Anlagen und Gebiete sowie Anlagen und Gebiete, für die keine Festsetzungen bestehen, sind nach Absatz 1, bauliche Anlagen im Außenbereich nach Absatz 1 Nr. 1, 3 und 4 entsprechend der Schutzbedürftigkeit zu beurteilen.

(3) Wird die zu schützende Nutzung nur am Tage oder nur in der Nacht ausgeübt, so ist nur der Immissionsgrenzwert für diesen Zeitraum anzuwenden.

Weitere Informationen: hier

Kommt eine bauliche Lärmvorsorge nur in Frage, wenn die Grenzwerte überschritten werden?

Ein Überschreiten der Grenzwerte (§2) allein ist nicht ausreichend. Die Grenzwerte sind nur in ursächlichem Zusammenhang mit einem erheblichen baulichen Eingriff in den Schienenweg relevant.

Anspruch auf Lärmvorsorge (Schutzvorkehrungen) nach der 16. BImSchV besteht nur, wenn durch einen erheblichen baulichen Eingriff der Beurteilungspegel des von dem zu ändernden Verkehrsweg ausgehenden Verkehrslärms um mindestens 3 Dezibel (A) oder auf mindestens 70 Dezibel (A) am Tage oder mindestens 60 Dezibel (A) in der Nacht erhöht werden.

Wie wird dieser Lärm ermittelt?

Die Ermittlung erfolgt gemäß Anlage 2 der 16. BImSchV. Diese Anlage verweist die auf die Richtlinie zur Berechnung der Schallimmissionen von Schienenwegen (Schall 03).

Schallemissionen des Schienenverkehrs an Eisenbahnstrecken resultieren im Wesentlichen aus den Antriebsgeräuschen, den aerodynamischen Geräuschen bei Geschwindigkeiten von über 250 Kilometer pro Stunde und vor allem aus dem Abrollen des Rades auf der Schiene. In der Praxis schwanken Geräusche häufig in Lautstärke und Frequenzbereich innerhalb der für die Fahrzeuge und Zugarten typischen Bandbreiten. Die für den Lärm relevanten Geräusche werden in dem Schallereignis einer Zugvorbeifahrt zusammengefasst. Die Berechnung der Schall-emission berücksichtigt Fahrzeugart, Länge und Geschwindigkeit des Zuges sowie die Bremsbauart (Anteil Scheibenbremsen). Weiterhin fließen in den Beurteilungspegel Fahrbahn- und Gleiseigenschaften wie Schwellenart, feste Fahrbahn, zulässige Streckengeschwindigkeit und Rauigkeit der Schienenfahrfläche ein. Enge Gleisradien, Bahnübergänge{p}{span}Als Bahnübergang wird eine höhengleiche Schienenquerung durch eine Straße oder einen Weg bezeichnet. Bahnübergänge sind häufig durch Lichtsignale und / oder Schranken gesichert. ({/span}{a href="http://www.wdrmaus.de/filme/sachgeschichten/bahnschranke.php5" target="_blank"}Link.{/a}){/p} und Brücken werden bei der Berechnung durch Zuschläge berücksichtigt. Alle Zugfahrten in einem bestimmten Zeitraum (Tag: 6 bis 22 Uhr, Nacht: 22 bis 6 Uhr) werden zu einem logarithmischen Mittelungspegel der Schallemission zusammengefasst. In diesen gehen Stärke und Dauer jedes Einzelgeräuschs ein. Pegelspitzen werden durch ihre hohe Intensität entsprechend stark berücksichtigt. Sie gehen also nicht – wie häufig irrtümlicherweise angenommen – durch das Mittelungsverfahren verloren. Fahren beispielsweise innerhalb einer Stunde 15 Regionalzüge mit Vorbeifahrpegeln von 81 dB (A), so entsteht ein Mittelungspegel von rund 67 dB (A), obwohl zu etwa 95 Prozent dieser Zeit keine Zugbewegungen stattfinden. Dieses Beispiel macht deutlich, dass der Mittelungspegel hervortretende Geräuschspitzen in besonderem Maße berücksichtigt. (siehe auch hier).

Mit der zum 1. Januar 2015 in Kraft getretenen Verordnung zur Änderung der 16. BImschV können auch technische Innovationen, wie z.B. leisere Verbundstoffbremssohlen, berücksichtigt werden.

Welche Lärmschutzmaßnahmen kommen grundsätzlich in Frage?

Als Maßnahmen werden grundsätzlich Lärmschutzwände (aktiver Lärmschutz) und Lärmschutzfenster (passiver Lärmschutz) vorgesehen. Ebenso kann der Einbau von Schalldämmlüftern erforderlich werden, die einen Luftwechsel bei geschlossenen Fenstern sicherstellen.

Eine weitere Maßnahme zur Lärmminderung ist das "besonders überwachte Gleis", abgekürzt BüG. Damit kann die Höhe der Lärmschutzwände reduziert werden, denn das "besonders überwachte Gleis" setzt an einer Quelle des Schienenverkehrslärms an: der Oberfläche der Schiene. Je glatter die Oberfläche des Schienenkopfes ist, desto geringer ist die Schallemission eines Zuges auf diesem Gleis.

Bei dem "besonders überwachten Gleis" werden die Schienen in einem besonderen Verfahren geschliffen und in regelmäßigen Abständen von einem Schallmesszug auf ihre akustische Qualität überprüft. Ergibt sich eine Abweichung der Vorgaben, wird nachgeschliffen.
Das Verfahren erzielt dauerhaft eine Lärmreduktion von 3dB(A) und ist vom Eisenbahn-Bundesamt als Maßnahme zur Lärmminderung anerkannt. Das Verfahren des "besonders überwachten Gleis" findet sich auch in der Richtlinie zur Berechnung der Schallimissionen von Schienenwegen (Schall 03) wieder.

Schienenschmiereinrichtungen dienen in engen Gleisbögen der Reduzierung des Kurvenquietsches.

Weitere Informationen zum Schienenverkehrslärm, zu gesetzlichen Regelungen, Richtlinien, Grenzwerten und Maßnahmen zur Lärmminderung finden Sie hier .

Wie wird der passive Schallschutz bei der Projektumsetzung abgewickelt?

Die Grundlage für die Abwicklung des passiven Schallschutzes sind die berechneten Schallwerte aus den Schalltechnischen Untersuchungen der Planfeststellungsunterlagen.

Die Berechnung der notwendigen passiven Schallschutzmaßnahmen erfolgt jetzt nach der 24. BImSchV.

Art und Umfang der Lärmschutzmaßnahmen werden durch die DB Netz AG Großprojekte Süd oder ein beauftragtes Ingenieurbüro ermittelt. Die Aufwendungen der  festgelegten Maßnahmen, wie beispielsweise Fenster oder schallgedämmte Lüfter, werden ersetzt.

Um den passiven Schallschutz zu beantragen, müssen Sie der Eigentümer von Haus oder Wohnung sein (Antragsberechtigter).

Das Antragsformular wird über die Gemeinde verteilt oder direkt zugesandt. Die Abwicklung des passiven Schallschutzes wird vorher rechtzeitig bekannt gegeben. Jeder Betroffene stellt selbst seinen Antrag, bei Eigentümergemeinschaften reicht ein Antrag vom Verwalter.

 

Die Voraussetzungen zur Antragsstellung gliedern sich wie folgt:

a)  Ergebnisse der Schallschutzuntersuchungen

b)  Grenzwertüberschreitung an der Außenfassade von schutzbedürftigen Räumen

     je nach Nutzung Tag- oder Nachtgrenzwert)

c)  Vorhandene Bauteile nicht ausreichend.

d) Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde bei Baudenkmälern

 

Zur Überprüfung des tatsächlichen Anspruchs wird nach Erteilung der Planfeststellungsbeschlüsse ein Ortstermin mit Ihnen vereinbart. Das Ergebnis der Überprüfung mit Maßnahmenvorschlägen erhalten Sie schriftlich.           

Wenn sich Maßnahmen ergeben haben, holen Sie mindestens drei Angebote ein und legen sie der DB zur Überprüfung vor. Sie erhalten eine Freigabe des anerkannten Rechnungsbetrages von der DB Netz AG und können dann eine Firma beauftragen.

Nach dem Einbau wird auf fachgerechte Montage überprüft. Ihre Aufwendungen werden gegen die Vorlage der Originalrechnung erstattet.

Es werden nur tatsächlich ausgeführte Schutzmaßnahmen zu 100 Prozent erstattet. Es besteht jedoch kein Anspruch auf Abschreibungen, Unterhalts- und Versicherungskosten, größere Fenster, Architekten- oder Rechtsanwaltskosten.

Vom passiven Schallschutz ausgenommen sind Bad, WC, Treppenhaus, Lager, Gewerbe, Gaststätte, Fabrik, Abbruchhäuser, (ältere) Schallschutzfenster, die vor der Planauslegung eingebaut wurden sowie vorhandene Fenster und Türen, mit ausreichender Schallschutzklasse. Ebenfalls sind Häuser ausgenommen, die nach Auslegung der Planfeststellungsunterlagen genehmigt wurden.

Bei den schutzwürdigen Räumen ist der jeweils zutreffende Grenzwert zu beachten, entsprechend der aktuellen Nutzung der Räume:

Bei Schlaf-, Kinder- oder Gästezimmern ist der Nachtgrenzwert maßgeblich; bei Wohn- und Büroräumen hingegen der Taggrenzwert.

Die Ermittlung des tatsächlichen Anspruchs auf Maßnahmen des passiven Schallschutzes hat begonnen (Stand November 2017). Im Bereich des Planfeststellungsabschnitts 9 (Aitrach und Tannheim sowie Ortsteile) ist DB-Systemtechnik für das Projekt bereits tätig. Die Anspruchsberechtigten wurden angeschrieben, Ortstermine durchgeführt bzw. vereinbart und mit den Ausarbeitungen begonnen.

In allen übrigen Planfeststellungsabschnitten von Geltendorf bis Lindau wurde der TÜV Süd, München/Filderstadt, mit den Maßnahmen des passiven Schallschutzes beauftragt. Sobald Sie als Eigentümer aus dem Grundbuch ermittelt sind, werden Sie vom TÜV Süd angeschrieben. Sie erhalten den nötigen Antrag und das aktuelle Merkblatt über die Abwicklung Ihres Anspruchs.

Die Anschreiben an Sie werden abschnittsweise entsprechend der Planfeststellungsbereiche verschickt, beginnend mit den Planfeststellungsabschnitten, für die aufgrund der vom EBA gefassten Planfeststellungsbeschlüsse bereits Baurecht vorliegt. Bitte haben Sie daher noch etwas Geduld.

Sie erreichen den TÜV Süd (zu unserem Projekt) unter folgender mail-Adresse:

abs48-db@tuev-sued.de

         

Näheres können Sie dem aktuellen Merkblatt entnehmen: 

Merkblatt für die Durchführung von Schallschutzmaßnahmen im Rahmen eines Plangenehmigungs- / Planfeststellungsbeschlusses (Stand Februar 2016)

Werden die Maßnahmen zum Lärmschutz bis zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Elektrifizierung umgesetzt?

Die Umsetzung muss bis zur Inbetriebnahme der planfestgestellten Maßnahme sichergestellt sein.

Welche Schutzmaßnahmen gegen Vibrationslärm / Erschütterungen

Zunächst wird ein Gutachten erstellt, um die Frage zu klären, ob und welche Bereiche betroffen sind. Grundsätzlich mögliche Gegenmaßnahmen gegen Erschütterungen aus dem Schienenverkehr sind z.B.: besohlte Schwellen, Schottertrog mit Unterschottermatten, Maßnahmen am Ausbreitungsweg (Isolierschlitz, schwere Abschirmwände), Maßnahmen am Gebäude (elastische Lagerung, seitliche Abschirmung mit elastischen Matten, "Verstimmung" einzelner Bauteile), Masse-Feder-Systeme, etc. und ggf. auch Schadenersatz, sofern die ermittelten Maßnahmen das notwendige Kosten-Nutzen- Verhältnis nicht erfüllen.

Welche Schutzmaßnahmen gegen Vibrationslärm und Erschütterungen zu treffen sind, wurde im Rahmen der Entwurfs- und Genehmigungsplanung{ul} {li}Entspricht der HOAI {a href="http://www.abs48.com/gesamtprojekt/projektorganisation"}Leistungsphase 4{/a}{/li} {li}Erarbeiten und Einreichen der Unterlagen für die erforderlichen öffentlich-rechtlichen Verfahren  (in diesem Projekt: Planfeststellungsverfahren){/li} {li}Verhandlungen mit Behörden{/li} {li}Mitwirken im Planfeststellungsverfahren einschließlich Erörterungsterminen und Stellungnahmen{/li} {li}Vervollständigen und Anpassen der Planungsunterlagen{/li} {/ul} ermittelt. Die detaillierten Ergebnisse der Gutachten werden mit der Offenlegung im Zuge des Planfeststellungsverfahrens öffentlich gemacht (siehe auch separate Erläuterung zum Planfeststellungsverfahren). 

Welche Maßnahmen werden seitens der DB ergriffen, damit die Fahrgeräusche von den Waggons vermindert werden (Bremssysteme)?

Die Deutsche Bahn und die Bundesregierung haben sich zum Ziel gesetzt, den Schienenverkehrslärm bis 2020 zu halbieren. Dies soll auf verschiedenen Wegen erreicht werden. Die Eisenbahnverkehrsunternehmen des DB-Konzerns suchen fortwährend nach Innovationen, die die Lärmbeeinträchtigung aus dem Bahnbetrieb reduzieren. Dies betrifft sowohl Maßnahmen am Fahrweg als auch an den Fahrzeugen.

Zum Beispiel mindert der Einsatz neuer Verbundstoff-Bremssohlen den Lärm des Vorbeifahrgeräusches gegenüber herkömmlichen Bremssohlen aus Grauguss etwa um die Hälfte. Die Logistik-Sparte der Deutschen Bahn, DB Cargo, will den gesamten Bestand bis 2020 umrüsten und kauft seit 2001 bereits nur noch Güterwagen mit diesen sogenannten Flüsterbremsen. Alle Informationen dazu auf www.deutschebahn.com/laerm

Der Betreiber der Eisenbahninfrastruktur, die DB Netz AG, muss jedoch allen Eisenbahnverkehrsunternehmen einen diskriminierungsfreien Zugang zum Schienennetz gewährleisten. Die Verkehrsunternehmen können sämtliche zugelassene Fahrzeuge einsetzen, auch wenn diese nicht dem neuesten Stand der Technik entsprechen.

Um einen Anreiz zum Einsatz lärmarmer Fahrzeuge zu schaffen, fördert das Bundesverkehrsministerium seit Dezember 2012 Wagenhalter bei der Umrüstung ihrer Güterwagen auf leise Bremstechnologien. Die DB Netz AG unterstützt dieses Programm und erhebt seit dem 1. Juni 2013 einen Zuschlag für laute Güterzüge (lärmabhängiges Trassenpreissystem). Als leise gilt ein Zug per Definition, wenn dieser zu mindestens 80 Prozent aus leisen Wagen besteht. Dieser Grenzwert wird stufenweise auf hundert Prozent erhöht.

Die Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat 2016 einen Gesetzentwurf zum Verbot des Betriebs lauter Güterwagen erarbeitet, das auf dem deutschen Schienennetz nur noch leise Güterwagen zulässt. Dem Gesetzentwurf hat das Bundeskabinett  bereits zugestimmt, es befindet sich aktuell im parlamentarischen VerfahrenKernpunkte des Schienenlärmschutz-Gesetzes:

  • Ab dem Fahrplanwechsel zum 13.12.2020 gilt auf dem deutschen Schienennetz ein Fahrverbot für laute Güterwagen.
  • Kein Güterwagen darf bei der Fahrt den Höchstwert überschreiten, wie es in den geltenden Lärmschutz-Richtlinien (TSI Lärm) für die Neuzulassung von Fahrzeugen festgeschrieben ist.
  • Die Einhaltung der Lärmschutzgrenzwerte kann durch Umrüstung auf leise Bremssohlen erfolgen.
  • Das Eisenbahn-Bundesamt kontrolliert die Einhaltung der Vorschriften auf den Bundesschienenwegen. Bei Verstößen gegen das Fahrverbot für laute Güterwagen droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro.